Vom Ursprung des Kaffees

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Anlage "Kaldi", in der Nähe von Bonga, Äthiopien

Anlage „Kaldi“, in der Nähe von Bonga, Äthiopien

 

Besuch beim Imam
Durch Gespräche mit Einheimischen erfuhr ich, dass die Ansammlung von Gebäuden, wohin der Ziegenhirte Kaldi seine roten, reifen Kaffeekirschen getragen hatte, noch heute existiert. Ein halbe Stunde Autofahrt und ein 20-minütiger Fußmarsch brachten mich und einen Dolmetscher sogleich dorthin! Gemäß Überlieferung war dies früher eine Klosteranlage äthiopischer Christen, heute steht dem muslimischen Dorf ein Imam vor. Er heißt Abba Giddi und er war spontan für ein kurzes Gespräch bereit, sogar ein Porträt durfte ich von ihm machen. Mein Ziel war es, noch mehr über die Ursprungslegende des Ziegenhirten Kaldi und ihren anzunehmenden Wahrheitsgehalt herauszufinden. Der Imam erzählte mir nochmals die Geschichte von Kaldi, den er dabei aber Kali oder wechselweise Kalliti nannte. Danach berichtete er mir sehr überzeugt, dass ihm die Geschichte über die traditionelle Form des äthiopischen Erzählens von seinem Vater so erzählt wurde und diesem bereits von seinem Vater und so fort; und da beide sehr alt wurden, könne er allein schon über drei Generationen und einen langen Zeitraum der überlieferten Geschichte zurückblicken! “Nein nein, lieber Besucher, das ist keine Legende, sondern tradierte und wahrhaftige äthiopische Geschichte!”, sagte mir Abba Giddi im Brustton tiefster Überzeugung.

 

Imam Abba Giddi

Imam Abba Giddi

 

 

Pfad zur Anlage

Pfad zur Anlage

 

Epilog – Die Geschichten und Legenden über den Kaffee
Die Geschichte von Kaldi wird, abgesehen von den Namen Kali oder Kalitti, in drei unterschiedlichen Varianten erzählt. In einer Variante, so wie hier in dieser Reportage erzählt, schmeißen die Mönche die Kaffeekirschen ins Feuer und entdecken so die Kaffeeröstung gleich mit. In einer zweiten Variante fehlt dieser Teil, die Mönche versuchen die rohen Kaffeekirschen und die Röstung wird erst viel später entdeckt. In einer dritten Variante versuchen Kaldi und die Mönche zunächst nur die Blätter des Kaffeebaumes und entdecken erst viel später die Kaffeekirschen, die natürlich eine viel stärkere Wirkung haben. Je nach Quelle datiert diese Geschichte der Entdeckung des Kaffees vom 2. bis zum 6.- 8. Jh. Das erste schriftliche Zeugnis der Geschichte von Kaldi verfasste der libanesische, in Rom lebende Sprachwissenschaftler Antoine Faustus Nairon in seinem Buch „De Saluberrima potione Cahue seu Cafe nuncupata Discurscus“ im Jahr 1671. Die Legende vom äthiopischen Ziegenhirten Kaldi ist die am weitesten verbreitete, und man ist sich ziemlich einig darüber, dass die in dieser Legende angesprochene Region Kaffa im abessinischen Hochland in Äthiopien tatsächlich die ursprüngliche Heimat der Kaffeepflanze ist. Aber es gibt noch weitere Ursprungslegenden, von denen ich hier der Vollständigkeit halber die wichtigsten aufführe.

Sheikh Umar: Diese Legende der Entdeckung des Kaffees stammt aus dem Jemen, wo der Priester Sheikh Umar die Auswirkungen der Kaffeefrucht bei Vögeln bemerkt haben soll und diese Neuigkeit verbreitete. Leider mangelt es an schriftlichen Hinweisen, die den Wahrheitsgehalt dieser Legende belegen könnten.

Naironus Banesius: Dieser Maronitenmönch soll Mitte des 17. Jh. in Kaffa in Äthiopien eine Viehherde beobachtet haben, die sich sonderbar benahm. Ihm fiel auf, dass die Tiere ungewöhnlich lebhaft waren, bis spät in die Nacht keine Ruhe fanden und keinerlei Anzeichen von Müdigkeit zeigten. Der Mönch fand heraus, dass die Tiere die gelben und roten, kirschenähnlichen Früchte einer Pflanze gefressen hatten. Der Mönch fertigte einen Sud aus den Früchten dieser Pflanze an und stellte fest, dass seine Müdigkeit verschwand und er problemlos nachts wach bleiben konnte.

Der Prophet Mohammed: Eine sehr anderslautende Legende erzählt vom großen Propheten Mohammed. Orientalische Erzähler berichten, dass der Erzengel Gabriel dem schwer kranken Propheten mit einer Schale heißer, dunkler Flüssigkeit erschien, die er „quawa“ nannte. Nach dem Genuss dieses Getränks wurde Mohammed sehr schnell gesund und gewann seine Lebensgeister zurück. So konnte er mit Hilfe dieser himmlischen Stärkung ein riesiges islamisches Reich zusammenführen, wie es die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte.

Der Derwisch Omar: Die Legende, die nicht fehlen darf, ist die des jungen Derwisches (muslimischer Bettelmönch) namens Omar. Dieser wurde verleumdet, unschuldig verurteilt und dann mit seinen Gefährten in eine abgelegene Steinwüste verbannt. Am Ende seiner Kräfte, halb verhungert und verdurstet, versuchte er von den Früchten eines ihm unbekannten Strauches und kochte daraus einen Sud. Dadurch wie durch ein Wunder genesen, konnte er in die Stadt zurückkehren und er erzählte von der magischen Frucht. Nun wollte jeder von dieser Frucht kosten, Omar wurde mit Ehrungen überhäuft und vom Kalifen bekam er sogar einen Palast geschenkt.

 

Äthiopischer Kaffee

Äthiopischer Kaffee

 

Der Name des Kaffees
Über die Herkunft unseres Namens „Kaffee“ gibt es unterschiedliche Theorien. Die erste lautet, dass Kaffee seinen Namen von „Kaffa“ bekommen hat, also dem Namen der Region, in der er entdeckt wurde. Die zweite Theorie, die man in der Literatur weit häufiger als Erklärung vorfindet, besagt, dass der Name um das Jahr 1600 herum teilweise aus dem arabischen Original „qahwah“ und teilweise aus der türkischen Form „kahveh“ in die europäischen Sprachen adaptiert wurde.

Auch wenn sich in sehr vielen Ländern der Welt der Namen für das Getränk auf dieser Basis durchgesetzt hat, so heißt der Kaffee auf Amharisch, der äthiopischen Amtssprache, aber „bunna“, in anderen äthiopischen Sprachen „bun“, „buna“ oder „bona“ (aber auch z.B. „kawa“). Den Namen „Bunna“ für Kaffee vergaben früher die Karawanenhändler, die ihn über das gesamte äthiopische Hochland transportierten. Diese Händler wurden damals oft zum Kaffee zu Hause bei einer lokalen Familie eingeladen, die Frau des Hauses bereitete den Kaffee für die Karawanenhändler zu. Diese Frau wurde „Genne Bunno“ oder „Genne Bunne“ genannt, wobei „Genne“ Frau bedeutet. Bis heute ist es eine gute Tradition und Sitte bei den Menschen in Kaffa, denen die Kaffeepflanzen gehören, dass sie ihren Familien und Freunden Kaffeekirschen oder -bohnen per Paket schicken mit der Aufschrift „Bunno-Kaffa“, was „Kaffee aus Kaffa“ bedeutet.

 

Äthiopischer Kaffee mit dem süßlichen Gewürz „Tena Adam“

Äthiopischer Kaffee mit dem süßlichen Gewürz „Tena Adam“

 

 

Frisch aufgebrühter Kaffee mit äthiopischer Kaffeekanne „Jebena“

Frisch aufgebrühter Kaffee mit äthiopischer Kaffeekanne „Jebena“

 

 

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Wer nun nicht nur über den äthiopischen Wildkaffee lesen, sondern ihn auch einmal
ausprobieren möchte, kann ihn z.B. bei einem dieser drei Online-Shops bestellen:

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(=> unter Wildkaffee)

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