Vom Ursprung des Kaffees

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Ernte von äthiopischem Waldkaffee

Ernte von äthiopischem Waldkaffee

Die äthiopischen Arabica-Bohnen haben insgesamt ein ausgezeichnetes Aroma. Die Einzigartigkeit des Kaffees in seiner „Heimat“ liegt aber auch in der traditionellen Art des Anbaus. Dieser wird in die vier folgenden Kategorien eingeordnet. Der Waldkaffee (Forest Coffee) wird in den wilden und tropischen Wäldern in der südwestlichen Bergregion Äthiopiens (Kaffa) geerntet. Der Wald wird mit einem Mindestmanagement wie z.B. dem Schneiden des Unterholzes gepflegt. Dieser Wildkaffee beträgt ca. 5-6% der Gesamtproduktion des äthiopischen Kaffees.

Äthiopischer Semi-Waldkaffee

Äthiopischer Semi-Waldkaffee

 

Während der Wald beim Waldkaffee so gelassen wird, wie er ist, wird er beim Semi-Waldkaffee (Semi Forest Coffee) durch die Landwirte etwas ausgedünnt, und die wilden Kaffeebäume werden aktiv behandelt, etwa wie auf einer Plantage. Diese Art der Kaffeebehandlung findet im Allgemein im Süden und Südwesten von Äthiopien statt. Dieser Kaffee deckt ca. 20% der gesamten äthiopischen Kaffeeproduktion.

Äthiopischer Gartenkaffee

Äthiopischer Gartenkaffee

 

Der sogenannte Gartenkaffee (Garden Coffee) ist die häufigste Art, wie der Kaffee in Äthiopien angebaut wird. Die Bauern pflanzen ein paar, meistens gezüchtete Kaffeebäume in ihren Hinterhöfen, jäten Unkraut, hacken die Erde und mulchen den Boden das ganze Jahr über. Gartenkaffee wird im Süden und im Osten Äthiopiens von Kleinbauern angebaut. Die Produktivität dieser Anbaumethode ist sehr viel höher als die der vorher genannten Methoden. Mit dem Plantagenkaffee (Plantation Coffee) wird der Kaffee effizient und in moderner Art und Weise in großen Feldern angebaut. Dafür verwenden die Landwirte in ihren Plantagen hochwertige, gezüchtete Samen und achten auf ausreichend Platz zwischen den Setzlingen. Der Plantagenkaffee besitzt einen Anteil von nur etwa 4% der Gesamtproduktion, nimmt aber rasant zu.

Äthiopischer Plantagenkaffee

Äthiopischer Plantagenkaffee

 

Wie auch bei anderen Nutzpflanzen, so unterscheidet sich der Geschmack des Kaffees je nach Anbauregion und Wetterverhältnissen. In Europa wird das Aroma des traditionell sonnengetrockneten äthiopischen Kaffees als „sehr gut“ und „blumig wild mit einem Aroma von Zitrone und Wein“ beschrieben. Die äthiopische „Coffee & Tea Authority“ ordnet ihre Kaffeeanbaugebiete mit ihren dazugehörigen Aromen wie folgt ein (1999):

Region Harrar: Harrar-Kaffee ist einer der beliebtesten Kaffees der Welt. Er ist berühmt für sein reiches Aroma, für seinen weinähnlichen Nachgeschmack, für seinen ausgeprägten Körper sowie für sein typisches Mokka-Aroma. Harrar-Kaffee ist schwer zu bekommen, da ein großer Teil der Ernte zu überteuerten Preisen nach Saudi-Arabien geliefert wird.

Region Yirgacheffe: Die Region Yirgacheffe ist ebenso bekannt für ihren hochwertigen Kaffee, der in Äthiopien produziert wird. Er hat einen starken, ausgeprägten Geschmack und kombiniert zitrus-artige mit blumigen Aromen.

Region Sidamo: Kaffee aus der Region Sidamo ist besonders bei Kaffeeliebhabern sehr beliebt. Gewürzhaltige Aromen verbinden sich mit einem weichen, ausgewogen bitteren Geschmack.

Region Kaffa: Dieser Kaffee ist sehr wohlschmeckend und hat einen nachhaltigen Körper, gleichzeitig aber auch einen weinähnlichen Nachgeschmack. Einen besonders intensiven, starken Geschmack hat der von hier stammende Wildkaffee. Es gibt aber auch weitere Kaffee produzierende Regionen wie Bebeka, Tepi, Limu, Illubabur und Nekempti/Lekempti.

 

Kartenbasis mit „CC-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ von http://www.weltkarte.com/afrika/aethiopien/karte-regionen-aethiopien.htm. Veränderungen: Angabe der Kaffeeanbauregionen

Kartenbasis mit „CC-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen“ von http://www.weltkarte.com/afrika/aethiopien/karte-regionen-aethiopien.htm. Veränderungen: Angabe der Kaffeeanbauregionen

 

Die roten, voll ausgereiften Kaffeekirschen werden von den Mitgliedern der Bauernfamilien in all diesen Regionen etwa im Oktober und November von Hand gepflückt, und dann zu frischen, rohen Bohnen verarbeitet. Der Kaffee wird in Äthiopien sowohl sonnengetrocknet als auch gewaschen. Die getrockneten Kaffeekirschen bringen die Bauern nach dem Trocknen in der prallen Sonne zur am nächsten gelegenen Sammelstation. Dort werden die getrockneten Kirschen nochmals sorgfältig von Ästen, Blättern und Steinchen gereinigt und das getrocknete Fruchtfleisch wird von den Bohnen abgetrennt. Danach werden die Kaffeebohnen noch nach ihrer Größe sortiert und zunächst eingelagert. Die getrockneten Bohnen werden solange in der Lagerhalle aufbewahrt, bis der Kaffeepreis steigt. Wenn es keine Sammelstation in der Nähe des Bauern gibt, verkauft er den Kaffee nach dem Trocknen auch direkt an einen Zwischenhändler.

 

 

Sonnengetrockneter Kaffee

Sonnengetrockneter Kaffee

 

Typische Kaffee-Sammelstation

Typische Kaffee-Sammelstation

 

Kaffee-Enthülsungsmaschine

Kaffee-Enthülsungsmaschine

 

Äthiopische Kaffeezeremonie

Äthiopische Kaffeezeremonie

 

Wird der Kaffee gewaschen, bringen die Bauern die geernteten Kaffeekirschen noch am Tag der Ernte zur nächsten Sammelstation, wo sie gewaschen werden können. Dort wird das Fruchtfleisch der Kaffeekirschen entfernt und die Bohnen werden dann ohne das Fruchtfleisch in der Sonne getrocknet. Danach werden die Kaffeebohnen vom Herstellerverband oder einem Broker zur einer Niederlassung der staatlichen Prüfstelle des „Ethiopia Commodity Exchange“ (ECX)[2] gebracht, wo der Kaffee auf seine Qualität hin geprüft wird. Dieser ECX ist ein neuartiger Zusammenschluss der wichtigsten Marktteilnehmer, der Börse und der äthiopischen Regierung, in dem Käufer und Verkäufer zum Handeln unter kontrollierten Bedingungen zusammentreffen. Durch diesen Zusammenschluss wird eine Qualitätssicherung des Kaffees sowie der Zahlungs- und Lieferungsmodalitäten gewährleistet. Der Käufer (Importeur) kauft den Kaffee über eine Auktion und lagert ihn zunächst für eine weitere Prüfung und Weiterverarbeitung ein. Danach verpackt er den Kaffee für den Export. 28% des äthiopischen Kaffees wird nach Deutschland exportiert und 22% nach Japan, also wird die Hälfte der äthiopischen Kaffeeproduktion in diese beiden Länder verkauft.

 

Anlage für "washed coffee"

Anlage für „washed coffee“

 

"Washed coffee" beim Trocknen

„Washed coffee“ beim Trocknen

 

Arbeiterinnen beim Säubern von gewaschenem Kaffee

Arbeiterinnen beim Säubern von gewaschenem Kaffee

 

Äthiopische Kaffeezeremonie

Äthiopische Kaffeezeremonie

 

Warteschlange der mit Kaffee beladenen LKWs vor dem ECX

Warteschlange der mit Kaffee beladenen LKWs vor dem ECX

 

Kaffee-Verkostung im ECX

Kaffee-Verkostung im ECX

 

Besuch der Original-Kaffeebäume

In einer Tagesreise fuhr ich von Addis Abeba nach Bonga, einer kleinen Stadt im Zentrum der Region Kaffa im Südwesten Äthiopiens. Mein Ziel waren die Wälder des Kaffa-Biospärenreservats der UNESCO und der deutschen Organisation NABU, in denen noch natürliche, wilde Kaffeebäume wachsen. Unterwegs nach Bonga kamen wir an wunderbaren Landschaften vorbei und fuhren durch riesige Flächen Weideland sowie durch das ehemalige Waldhochland, nun voll bepflanzt mit Teff, dem traditionellen äthiopischen Grundnahrungsmittel, aus dem das weiche gesäuerte Fladenbrot Injera hergestellt wird.

 

 

Äthiopische Landschaft (auf dem Weg nach Bonga)

Äthiopische Landschaft (auf dem Weg nach Bonga)

 

Bonga ist eine kleine Stadt, in deren Umgebung viele Familien vom Kaffee leben. Überall in der Stadt riecht es ständig nach frisch geröstetem Kaffee der Kaffeezeremonien, denn der Kaffee spielt im Alltag der Äthiopier eine große Rolle: Durchschnittlich dreimal am Tag wird Kaffee frisch geröstet und zubereitet, oder in einer der unzähligen Café-ähnlichen Buden eingenommen. Am Rande der wilden Kaffeewälder haben Bauern ihre runden Hütten (Tukulus) gebaut, in denen sie in der Erntezeit von Oktober bis Januar leben. Im Wald selbst war es ein sehr erhabenes Gefühl, zwischen all den alten, wilden und originalen Kaffeebäumen zu stehen. Ich war überrascht, wie groß die Bäume sind, als ich über mir die noch nicht geernteten roten, reifen Kaffeekirschen entdeckte. Ich hatte kleinere Kaffeebäume erwartet, denn ich kannte bisher nur die kleineren Kaffeebäume auf Kaffeeplantagen. Die Früchte, die nicht gepflückt werden, fallen einfach auf den Boden. Die darin enthaltenen Samen lassen wieder und wieder neue Bäume sprießen und die Menschen, die hier leben, ernten wieder deren Früchte. Dies ist der Kreislauf des wilden Kaffees und des Dorflebens seit der Zeit von Kaldi, dem Ziegenhirten. Die Menschen können aber leider oft von den Einnahmen des Kaffees allein nicht überleben. Deshalb bauen sie, wenn es der Platz erlaubt, auch noch Weizen und Mais an. Sinkt der Kaffeepreis zu sehr, roden manche Bauern den Wald für neue Nutzflächen, was wiederum den Bestand der Kaffeewälder gefährdet.

 

Ernte von äthiopischem Wildkaffee

Ernte von äthiopischem Wildkaffee

 

Von einem der Kaffeebauern werde ich zu einem Kaffee eingeladen. Wir sitzen vor der Lehmhütte, in der die Frau des Bauern den Kaffee zubereitet – dies ist seit jeher Frauensache und Mädchen werden im Alter von 10 Jahren in die Kunst der Kaffeezubereitung eingewiesen. In der Lehmhütte röstet die Frau den Kaffee, danach werden die noch warmen Kaffeebohnen mit einem Stößel zu Pulver zerstoßen. Zum Schluss wird das Kaffeepulver mit dem Wasser auf dem offenen Feuer aufgekocht. Dann bringt uns die Bäuerin aus der Lehmhütte einen sehr starken, schwarzen und dampfenden Kaffee. Zum Glück wird mir dazu Zucker angeboten, denn die Äthiopier trinken ihren Kaffee gerne auch gesalzen. Der Bauer neben mir bietet mir als Begleitsnack zum Kaffee mit der Geste für „Essen“ frisch geröstete Gerstenkörner an. Das passt erstaunlich gut zum Kaffee! Während wir ohne zu reden Kaffee trinken und Gerste essen, habe ich zum ersten Mal das Gefühl, Land und Leute etwas besser zu verstehen.

 

Äthiopische Kaffeezeremonie

Äthiopische Kaffeezeremonie

 

Äthiopische Kaffeezeremonie: Der Kaffee ist geröstet

Äthiopische Kaffeezeremonie: Der Kaffee ist geröstet

 

Äthiopische Kaffeezeremonie

Äthiopische Kaffeezeremonie

 

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[2] http://www.ecx.com.et/

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